CHM- Der Richterstuhl Christi


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andere Schriften von C.H. Mackintosh

Es ist sehr verwerflich, wenn jemand sagt, er fürchte den Richterstuhl Christi nicht, weil Christus für ihn gestorben sei, während er zugleich in einer gleichgültigen, sorglosen und fleischlichen Gesinnung wandelt. Es ist dies eine der schrecklichsten Täuschungen Satans. Nichts könnte verderblicher sein, als unsere klaren Anschauungen über das Evangelium dazu zu benutzen, um unsere heilige Verantwortlichkeit zu unterschätzen. Sollen wir z. B. unnütze Worte aussprechen, weil wir wissen, dass wir nie ins Gericht kommen werden? Das ist ein schrecklicher Gedanke. Und doch kann es wohl sein, dass wir vor diesem Gedanken, sobald er in deutliche Worte gekleidet ist, zurückschrecken, während wir uns zu gleicher Zeit, durch eine falsche Anwendung der Lehre von der Gnade Gottes, zu einer höchst verderblichen und strafbaren Gleichgültigkeit und Sorglosigkeit in unserm Wandel verleiten lassen.

Der Herr gebe uns ein geöffnetes Auge und ein geübtes Gewissen! Die Gnade, welche uns von dem Gericht, das auf uns lastete, befreit hat, sollte in der Tat einen mächtigeren Einfluss auf unser ganzes Verhalten ausüben, als irgend sonst etwas. „Ein jeder von uns wird für sich selbst Gott Rechenschaft geben." (Röm. 14, 11, 12). . . .

Wir dürfen nicht vergessen, dass jedes Ding zwei Seiten hat; und wir finden demzufolge auch in den Schriften des neuen Testaments unmittelbar neben den klarsten und umfassendsten Darstellungen der unergründlichen Gnade Gottes höchst ernste und feierliche Erinnerungen an unsere heilige Verantwortlichkeit. Werden die ersteren durch die letzteren verdunkelt? In keiner Weise. Aber ebenso wenig sollten wir die ersteren benutzen, um die letzteren dadurch zu schwächen. Beiden sollte von uns der rechte Platz gegeben werden, und wir sollten beiden erlauben, ihren bildenden Einfluss auf unseren Charakter und unser Verhalten auszuüben.

Manche bekennende Christen scheinen die Worte: „Schuldigkeit" und „Verantwortlichkeit" gar nicht gern zu hören. Aber wir werden stets finden, dass gerade diejenigen, welche das tiefste Bewusstsein von der in Christus Jesu geoffenbarten Gnade Gottes besitzen, zugleich auch, und zwar als eine notwendig Folge, am tiefsten ihre Schuldigkeit gegenüber dieser Gnade fühlen. Ein Herz, das in Wirklichkeit unter dem Einfluss der Gnade Gottes steht, wird auch sicher jeden Hinweis auf die Ansprüche Seiner Heiligkeit willkommen heißen. Wer nichts von der Schuldigkeit des Gläubigen hören will, kennt auch in Wahrheit nichts von der Gnade Gottes. Gott will Wirklichkeit haben. Seine Liebe und Seine Treue gegen uns sind große Wirklichkeiten, und Er erwartet Aufrichtigkeit von uns. Was ist denn das für eine Heuchelei, wenn wir sagen: „Herr, Herr!" und tun doch nicht nach Seinen Geboten. Das ist ja lauter Betrug, wenn wir sagen: „Ich gehe, Herr," und bleiben ruhig da, wo wir sind. Gott erwartet Gehorsam von Seinen Kindern. Er ist ein Belohner derer, die Ihn fleißig suchen.

Möchten wir denn nicht vergessen, dass alles vor dem Richterstuhl Christi ans Licht kommen wird. Wir müssen dort alle geoffenbart werden, und dieser Gedanke kann ein wahrhaft aufrichtiges Herz nur mit unvermischter Freude erfüllen. Wenn es sich anders mit uns verhält, so muss etwas bei uns nicht in Ordnung sein. Entweder sind wir nicht befestigt in der Gnade, oder wir führen keinen der Gnade entsprechenden Wandel. Wenn wir uns unserer Rechtfertigung und unserer Annahme vor Gott in Christus bewusst sind, und wenn wir in moralischer, praktischer Reinheit und Heiligkeit vor Ihm wandeln, so kann der Gedanke an den Richterstuhl Christi unser Herz durchaus nicht beunruhigen. Der Apostel konnte sagen: „Gott sind wir offenbar geworden; ich hoffe aber auch euerm Gewissen offenbar geworden zu sein." War Paulus bange vor dem Richterstuhl? Beunruhigte ihn der Gedanke, in irgend einer Weise dort geoffenbart zu werden? O, nein! Und warum nicht? Weil er wusste, dass er, was seine Person betraf, vor Gott annehmlich gemacht war in einem auferstandenen Christus, und weil er im Blick auf sein Verhalten, seinen Wandel, sagen konnte: „Deshalb beeifern wir uns auch, ob einheimisch oder ausheimisch Ihm wohlgefällig zu sein." So stand es mit diesem treuen Knechte Christi. Er sagte wiederum: „Darum übe ich mich auch, allezeit ein Gewissen zu haben ohne Anstoß vor Gott und den Menschen.


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